Der chronische Bandscheibenvorfall (59)

Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko leidet unter einem Bandscheibenvorfall, der inzwischen chronisch ist. Dr. Thorsten Dolla erklärt, was ein Bandscheibenvorfall ist und wie es dazu kommt.

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Der Mensch hat 23 Bandscheiben, die zwischen den Wirbeln liegen und ca. 25 Prozent der Gesamtlänge der Wirbelsäule ausmachen. Einzige Ausnahme ist der Bereich zwischen erstem (Atlas) und zweitem (Axis) Halswirbel. Die Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und einem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus), der durch seinen hohen Wassergehalt wie ein Stoßdämpfer wirkt. Auch aufgrund unseres aufrechten Gangbildes verliert die Bandscheibe Wasser und schrumpft dadurch bis zu drei Zentimeter am Tag. Im Liegen saugt die Bandscheibe den Flüssigkeitsverlust wieder auf. Durch eine Schädigung des äußeren Faserringes kann die Flüssigkeit des inneren Gallertkerns nach hinten in den Wirbelkanal durchbrechen.

Es kommt zum Bandscheibenvorfall.

 

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla. Foto: promo
Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla. - FOTO: PROMO

 

Häufige Ursache ist die jahrelange Vorschädigung der Bandscheibe durch Überlastung. Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule sind Folge einer schwachen Rumpfmuskulatur, wobei besonders Bewegungsmangel in der heutigen Gesellschaft beschleunigend wirkt. Zu Bandscheibenvorfällen kommt es am häufigsten zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel, sowie zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Sakralbereich. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 40 Jahren.

 

Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke Rückenschmerzen. Häufig treten aber auch Schmerzen auf, vom Gesäß bis in das Bein ziehend. Ist eine Nervenwurzel irritiert, kann es zu einem Taubheitsgefühl und zu Lähmungserscheinungen kommen. Ein Notfall stellt die Harn- und Stuhlinkontinenz sowie die so genannte Reithosenanästhesie dar. Dabei kommt es zu einem vermindertem Gefühl im Bereich der Oberschenkelinnenseite, der Genitalien und dem Bereich um den Anus. Eine sofortige ärztliche Untersuchung ist notwendig.

Bei der Diagnostik wird neben einer körperlichen manuellen Untersuchung häufig auch zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) durchgeführt. Falls notwendig, wird noch die Nervenleitungsgeschwindigkeit (EMG) gemessen.

 

 

In den meisten Fällen führt die konservative Behandlung mit Physiotherapie und die Gabe von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten zum Erfolg. Bei auftretenden Lähmungserscheinungen kann aber auch eine Operation angezeigt sein. Langfristig ist ein individueller Aufbau der Rumpfmuskulatur sinnvoll. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass bis zur Wiederherstellung der vollen körperlichen Leistungsfähigkeit viel Arbeit und Geduld erforderlich sind.

 

Quelle: Der Tagesspiegel – Dr. Dollas Diagnosen